Ein aussergewöhnliches, zeitlich begrenztes Instrument
Die SNB bezeichnete die Überbewertung als akute Wirtschaftsgefahr und Deflationsrisiko. Sie werde keinen Kurs unter 1.20 Franken jeEuro mehr tolerieren und nötigenfalls unbeschränkt Devisen kaufen. Verteidigt wurde eine Untergrenze, nicht ein Versprechen, jede Transaktion finde exakt zu diesem Kurs statt.
Am 15. Januar 2015 endete das Instrument. Diese Grenze gehört zur Geschichte: Der Entscheid war weder eine dauerhafte Parität noch eine heutige Garantie. Die Studie untersucht den Mechanismus und seine wirtschaftlichen Beziehungen, ohne Anlageempfehlung oder Wechselkursprognose.
Gleiche Arbeit kann weniger Erlös ergeben
Wer inEuro verkauft und einen grossen Teil der Kosten inFranken bezahlt, ist der Umrechnung ausgesetzt. Bei gleichbleibendem Auslandspreis vermindert Frankenaufwertung den Erlös in der Währung der Inlandskosten. Arbeitszeit und Fachwissen müssen dabei keineswegs abgenommen haben.
Ein rein hypothetisches Beispiel zeigt dies:100 Euro Verkaufserlös ergeben bei 1.40 Franken 140 Franken, bei 1.20 nur 120 Franken. Diese Zahlen sind keine historische Kursreihe und keine reale Firmenrechnung. Sie zeigen, wie eine Veränderung ausserhalb der Werkhalle die Marge vor jeder Änderung der Arbeitsorganisation beeinflussen kann.
Importe verändern die Belastung
Derselbe Betrieb kann Komponenten im Ausland kaufen. Ihre Kosten inFranken sinken bei Aufwertung und gleichen einen Teil des Erlösschocks aus. Ein Unternehmen mit vielen importierten Vorleistungen ist anders betroffen als eines mit überwiegend inländischer Arbeit und Wertschöpfung.
Vertragswährung, Laufzeiten und Preisanpassungsmöglichkeiten zählen ebenfalls. Wirkungen treten nicht gleichzeitig ein. Finanzielle Absicherung kann Risiken vorübergehend glätten, garantiert aber weder dauerhaften Absatz noch Wettbewerbsfähigkeit einer gesamten Tätigkeit. Die PCP leitet deshalb aus dem Kurs keine einheitliche Lohnsituation ab.
Konsum und Produktion erleben verschiedene Folgen
Ein stärkerer Franken kann bestimmte Importe verbilligen. Die Weitergabe an Endpreise hängt auch von Verträgen, Zwischenhändlern und Wettbewerb ab. Kaufkraftgewinn und Exportdruck sind zwei Seiten derselben Bewegung, die verschiedene Akteure treffen.
Politik muss beides betrachten. Günstigere Einkäufe gleichen einen Arbeitsplatzverlust nicht automatisch aus. Umgekehrt rechtfertigt die Existenz von Exporten keine allgemeine Kaufkraftsenkung. Die PCP orientiert sich an einer Wirtschaft, die produzieren, angemessen entlohnen und tatsächliche Gewinne an die Bevölkerung weitergeben kann.
Zusätzlicher Spielraum bleibt eine Managemententscheidung
Währungspolitik kann äusseren Druck vermindern, bestimmt aber nicht die Verwendung der Marge. Betriebe können investieren, Wissen erhalten, Preise ändern oder Kapitalerträge ausschütten. Diese Entscheidungen müssen sichtbar bleiben. Bessere Bedingungen sind noch kein bereits gesicherter Schutz für Beschäftigte.
Die PCP will, dass Spielraum Arbeit, Ausbildung und Produktionsmitteln dient. Das behauptet keine solchen Auflagen der SNB von 2011. Es trennt ein makroökonomisches Instrument von Sozial- und Industriepolitik. Beschäftigte sollten nicht allein ungünstige Anpassungen tragen und später von Stabilisierungsvorteilen ausgeschlossen bleiben.
Auch die Zentralbank trägt Risiken
Devisenkäufe verändern die SNB-Bilanz. Vermögenswerte können sich mit Märkten und Währungen ändern. Geldpolitisches Ziel und zeitweiliges Rechnungsergebnis sind daher verschieden. Ein einzelner Gewinn oder Verlust misst nicht automatisch die Qualität der gesamten Politik.
Das betrifft öffentliche Finanzen ebenfalls. Zentralbankerträge dürfen nicht vor ihrer Feststellung als sichere Einnahmen gelten. Die PCP will verständliche Debatten über Ziele, Risiken und Verteilung, welche die besondere SNB-Funktion respektieren und soziale Folgen anerkennen.
Nützliche Stabilität bedeutet keinen Stillstand
Industrie muss Produkte und Verfahren weiter verbessern. Der Mindestkurs konnte weder diese Aufgabe beseitigen noch jede Nachfrageänderung beantworten. Er sollte verhindern, dass eine aussergewöhnliche Währungsbewegung eine Schrumpfung unabhängig von solchen Verbesserungen erzwingt.
Die Lehre von 2011 verbindet Währungspolitik und Produktionsbedingungen, ohne sie gleichzusetzen. Für die PCP braucht Arbeitsschutz ergänzende Instrumente für Einkommen, Investitionen, Wissen und kollektive Vorausschau. Ein Kurs kann Zeit verschaffen; ihre Nutzung bleibt eine Machtfrage und eine öffentliche Entscheidung.