Soziale Sicherheit und GleichstellungHistorische Studie2022

2022: AHV 21 und die tatsächlichen Bedingungen des Ruhestands

Am 25. September 2022 wurden beide verbundenen Vorlagen der AHV 21 angenommen. Die Reform verband ein schrittweise höheres Referenzalter für Frauen mit Ausgleich, flexiblem Bezug und Mehrwertsteuerfinanzierung. Die 2026 veröffentlichte Studie unterscheidet rechtliche Rentenwahl und tatsächliche Möglichkeiten, die Arbeit zu beenden oder fortzusetzen.

Untersuchter Zeitraum
2022
Veröffentlicht am
Dokument oder Ereignis
2022: AHV 21 und die tatsächlichen Bedingungen des RuhestandsHTML · Deutsch
Herunterladen
Referenzalter · Vorbezug: Kürzung · Aufschub: Zuschlag · Gesundheit und Arbeit · Tatsächliche Wahl
Flexibler Rentenbezug beseitigt die materiellen Grenzen des Ruhestands nicht.

Zwei Vorlagen mit gemeinsamem Ausgang

AHV 21 umfasste eine Gesetzesänderung und einen Bundesbeschluss zur Zusatzfinanzierung. Für die dem Referendum unterstellte Gesetzesänderung genügte das Volksmehr. Die Verfassungsänderung zur Mehrwertsteuer erforderte zusätzlich das Ständemehr. Beide mussten angenommen werden, damit die Reform zustande kam.

Damit wurden neue Versicherungsmittel mit Änderungen der Leistungen und ihres Zeitpunkts verbunden. Die Vorlagen waren trotzdem nicht identisch. Steuerliche Verteilung, Wirkung des Alterswechsels und Nutzen einer Teilrente lassen sich getrennt bewerten. Der rechtliche Zusammenhang ersetzt die Diskussion jedes sozialen Entscheids nicht.

Die Annahme führte nicht sofort alle Regeln ein. Am 9. Dezember 2022 setzte der Bundesrat das Inkrafttreten auf den 1. Januar 2024 fest und eröffnete die Konsultation zur Umsetzung. Das spätere System war im Abstimmungsmoment noch nicht in Betrieb.

Das Referenzalter setzt einen Einkommensmassstab

Vorgesehen war, das Referenzalter der Frauen schrittweise von 64 auf 65 Jahre zu erhöhen, um jeweils drei Monate pro Jahr. Ab diesem Alter kann die Rente ohne Vorbezugskürzung oder Aufschubszuschlag bezogen werden. Es garantiert weder einen Arbeitsplatz bis dahin noch bedeutet es, dass jede Person tatsächlich bis dahin bezahlt arbeitet.

Bei einer tragbaren Beschäftigung hat der veränderte Kalender andere Folgen als bei Erwerbslosigkeit, gesundheitlicher Erschöpfung oder unbezahlter Betreuungsarbeit. Dasselbe gesetzliche Alter beweist keine gleichen Laufbahnen oder Mittel, es zu erreichen.

Für eine Übergangsgeneration von neun Jahrgängen enthielt das Projekt Ausgleich: günstigere Bedingungen beim Vorbezug beziehungsweise einen Zuschlag bei Verzicht darauf. Dies berücksichtigt die Nähe zum Ruhestand und bereits geplante Lebenswege. Daraus folgt nicht die Korrektur sämtlicher im Berufsleben entstandener Ungleichheiten.

Flexible Rente braucht anpassbare Arbeit

Eine Teilrente kann einen schrittweisen Rückgang der Erwerbsarbeit erleichtern. Versicherungskalender und Arbeitsvertrag passen sich aber nicht automatisch an. Betroffene müssen ein reduziertes Pensum erhalten, gesundheitlich passende Arbeit behalten und eine verbleibende Einkommenslücke finanzieren können.

Vorbezug bringt früher Einkommen mit einer Kürzung nach den geltenden Regeln. Aufschub ermöglicht einen Zuschlag, setzt aber voraus, warten zu können. Bei hohem Vermögen und knappem Budget haben diese Optionen nicht denselben Wert. «Wahl» ist deshalb an Mitteln und Arbeitsbedingungen zu prüfen.

Auch die übrige Vorsorge gehört dazu. Möglichkeiten hängen von Pensionskasse und Laufbahn ab, einschliesslich Teilzeit und Zeiten ohne Lohn. Information muss das Zusammenspiel zeigen, statt einen Standardfall als allgemeine Antwort auszugeben. Diese Studie liefert keine persönliche Rentenberechnung; sie erklärt unterschiedliche Wirkungen gleicher Regeln.

Versicherungsmittel und Lebensunterhalt gemeinsam prüfen

Die zusätzliche Mehrwertsteuer brachte Einnahmen neben den Lohnbeiträgen. Das BSV-Merkblatt vom Juni 2022 sah eine Erhöhung des Normalsatzes um 0,4 Prozentpunkte vor. Konsumbesteuerung verteilt die Last anders als Beiträge auf Arbeitseinkommen. Zu berücksichtigen sind der konsumierte Budgetanteil und die verfügbaren Mittel.

Finanzprojektionen beruhen auf Beschäftigung, Löhnen, Demografie und weiteren Annahmen. Sie unterstützen Entscheide, machen die Zukunft aber nicht gewiss. Eine bedingungslose Gleichgewichtszusage bis zu einem bestimmten Jahr würde diese Abhängigkeit verdecken. Behörden müssen Annahmen erklären und Revisionen begründen.

Die soziale Prüfung fragt zugleich, ob die Rente zusammen mit anderen Mitteln ein würdiges Leben ermöglicht. Bessere Kassenfinanzen garantieren nicht jedem pensionierten Menschen ein ausreichendes Einkommen. Umgekehrt muss eine Leistungsforderung ihre Finanzierung offenlegen. Beides ergänzt sich.

Für die PCP gehört zur Bilanz der Weg zum Ruhestand ebenso wie das Bezugsdatum. Erwerbsausschluss verhindern, tragbare letzte Berufsjahre ermöglichen und ausreichende Einkommen sichern sind öffentliche Aufgaben. Flexibilität ist Fortschritt, wenn sie Möglichkeiten erweitert; sie bleibt unvollständig, wenn nur Menschen mit finanziellem Spielraum tatsächlich wählen können.

Dokumente und Quellen