Zwei Stimmzettel für eine Konstruktion
Das Paket verband ein Bundesgesetz mit einem Verfassungsbeschluss über zusätzliche Mehrwertsteuer für die AHV. Der Beschluss brauchte das Volks- und Ständemehr; das dem Referendum unterstellte Gesetz eine Volksmehrheit. Beide konnten nur gemeinsam in Kraft treten. Es waren keine unabhängigen Programme, von denen eines allein hätte funktionieren können.
Das Gesetz wurde mit 52,7 Prozent Nein abgelehnt. Der Mehrwertsteuerbeschluss scheiterte knapp am Volk und auch an den Kantonen. Damit wurde der vorgeschlagene Zeitplan verhindert. Zukunftsformulierungen in Abstimmungsunterlagen beschreiben bedingte Vorhaben, keine nach dem Urnengang geltenden Regeln. Auch «2020» bezeichnet den Namen des 2017 abgelehnten Projekts. Die vorliegende Studie entstand 2026 und behauptet keine damalige PCP-Kampagne.
Arbeitszeit und Finanzierung umverteilen
Das Referenzalter der Frauen sollte schrittweise von 64 auf 65 Jahre steigen; zugleich war mehr Flexibilität beim Rentenbezug vorgesehen. Ein gemeinsames Alter sagt jedoch wenig über die soziale Wirkung. Einkommen, Erwerbsunterbrüche, Gesundheit und tatsächliche Beschäftigungsmöglichkeiten müssen berücksichtigt werden.
Ein zusätzliches Jahr kann Einnahmen erhöhen und Ausgaben verschieben. Es schafft aber für Arbeitslose oder körperlich erschöpfte Beschäftigte nicht automatisch ein weiteres Lohnjahr. Entscheidend sind ihre Mittel während dieser Zeit und mögliche Lasten anderer Versicherungen. Das bleibt eine Verteilungsfrage, auch wenn sich eine Gesamtrechnung verbessert.
Flexibilität ist ebenfalls ungleich nutzbar. Ein früherer Bezug mit Kürzung ist bei niedriger Rente schwerer zu tragen. Rechtliche Wahlmöglichkeiten schaffen erst dann wirkliche Freiheit, wenn ihre finanziellen Bedingungen bezahlbar sind. Dafür braucht es den Blick auf Erwerbsverläufe, ohne erfundene Fallgeschichten als Zeugnisse auszugeben.
Der Umwandlungssatz ist nur ein Teil
Der Mindestumwandlungssatz im obligatorischen BVG sollte von 6,8 auf 6 Prozent sinken. Er übersetzt angespartes Kapital in eine Jahresrente. Bei gleichem Kapital sinkt damit die berechnete Rente. Das Endergebnis hängt aber auch von angespartem Kapital, Beiträgen und Ausgleichsmassnahmen ab.
Obligatorische und überobligatorische Leistungen sind zu unterscheiden. Der gesetzliche Satz gilt nicht einfach gleich für sämtliche Guthaben jeder Kasse. Die Broschüre erklärt den geplanten Mechanismus, liefert jedoch keine individuellen Auswirkungen ohne weitere Daten.
Gerade bei niedrigen Löhnen und Teilzeit prägt bereits der versicherte Lohn die Sparmöglichkeiten. Rentenpolitik darf deshalb nicht erst beim letzten Umrechnungsfaktor beginnen. Beschäftigungsdauer, versicherter Verdienst und Beitragskontinuität verteilen schon vorher die Chancen.
Für wen waren die 70 Franken vorgesehen?
Der Kompromiss sah monatlich 70 Franken zusätzlich für neue AHV-Renten und eine höhere Begrenzung für Ehepaarrenten vor. Bereits laufende Renten wären nicht gleichermassen erhöht worden. Die Grenze zwischen bestehenden und neuen Rentnern war somit ein materieller Bestandteil.
Ein Ausgleich zwischen AHV und BVG muss dieselben Personen und Zeiträume vergleichen. Ein AHV-Zuschlag kann Menschen mit wenig beruflicher Vorsorge besonders helfen. Daraus folgt aber nicht, dass jede andere vorgeschlagene Einbusse für jede Person vollständig ausgeglichen wäre. Rechte und Zeitpläne zählen mehr als gegenübergestellte Gesamtsummen.
Zusatzfinanzierung und Einsparungen waren auch keine unbefristete Garantie. Die amtlichen Projektionen hatten einen Zeithorizont und Annahmen. Sie als bereits erreicht darzustellen würde die demokratische Diskussion über Risiken umgehen.
Auch die Begrenzung von Ehepaarrenten stellte eine eigene Frage. Ein individueller Zuschlag lässt sich nicht ohne die Regel zur gemeinsamen Summe mit dem Paarhaushalt vergleichen. Das Projekt verband somit Verbesserungen, deren Reichweite auch von der familiären Situation abhing. Erst die getrennte Darstellung pro Person und danach pro Haushalt macht diesen Zusammenhang verständlich. Aus einem ausgewiesenen persönlichen Zuschlag darf nicht einfach derselbe endgültige Zuwachs für alle Versicherten abgeleitet werden. Diese Prüfung gehört zur sozialen Bewertung des Ausgleichs zwischen den verschiedenen Teilen des Pakets.
Welche Folgerung trägt die Ablehnung?
Ein Nein konnte sich gegen unterschiedliche Teile richten. Das Resultat beweist weder die gemeinsame Ablehnung zusätzlicher Finanzierung noch die Zustimmung zu einer einzigen Alternative. Diese Vielfalt muss sichtbar bleiben.
Der PCP fordert in seiner Bewertung von 2026 soziale Nachvollziehbarkeit: Alter, Leistungen, Beiträge und betroffene Gruppen getrennt zeigen und dann ihre Verbindungen erklären. Rentenerhalt muss gerade für niedrige und unterbrochene Erwerbsverläufe prüfbar sein. So lässt sich Solidarität zwischen Generationen und Einkommensgruppen diskutieren, ohne Ungleichheit in einer Gesamtrechnung verschwinden zu lassen.